So funktioniert es

Kopfhautkühlung ist eine einfache Behandlung, mit der dem Haarausfall vorgebeugt werden kann, der von verschiedenen Zytostatika (Chemotherapie) verursacht wird.

Die Anwendung der Kopfhautkühlung oder der „Kühlkappen“ hat sich als wirksame Methode zur Bekämpfung des chemotherapie-induzierten Haarausfalls bewährt und kann zu einem hohen Retentionsgrad oder sogar zur vollständigen Haarerhaltung führen. Für Patienten bedeutet das, dass sie eine gewisse Kontrolle zurückgewinnen, ihre Privatsphäre behalten können und auch eine positive Einstellung zur Behandlung gefördert wird.

Für wen ist die Kopfhautkühlung geeignet?

Die Kopfhautkühlung (Kühlkappe) kann bei allen soliden Tumoren angewendet werden, die mit Zytostatika, wie Taxane (z.B. Docetaxel), Alkylierungsmittel (z.B. Cyclophosphamid) und Anthracycline/DNA- Interkalation (z.B. Doxorubicin) behandelt werden. Diese Medikamente greifen die sich schnell teilenden Zellen und die Keratinozyte an, wodurch es zum Haarausfall kommt (Paus et al., 2013).

Die Kopfhautkühlung darf nicht bei den folgenden Bedingungen angewendet werden:

  • Maligne hämatologische Erkrankungen (Leukämie, Non-Hodgkin Lymphom und andere generalisierte Lymphome)
  • Kälteallergie
  • Kälteagglutinine
  • Kopfhautmetastasen
  • Unmittelbar bevorstehende Knochenmark-Ablation Chemotherapie
  • Unmittelbar bevorstehende Schädelbestrahlung

Wie funktioniert die Kopfhautkühlung?

Bei einer Chemotherapie werden alle sich schnell teilenden Zellen im Körper angegriffen. Da die Haare bei Schnelligkeit, gleich nach Haut an der zweiten Stelle sind, verursachen viele Zytostatika Alopezie (Haarausfall). Die Haarfollikel werden in der Wachstumsphase angegriffen, wodurch es ca. 2 Wochen nach Beginn der Chemotherapie zum Haarausfall kommt.

Der Schaden, den eine Chemotherapie an den Haarfollikeln verursacht, kann durch die Anwendung der Kopfhautkühlung verringert werden. Dabei wird die Temperatur der Kopfhaut direkt vor, während und nach der Verabreichung der Chemotherapie um einige Grad gesenkt. Dadurch ziehen sich die kleinen Gefäße (Kapillare) zusammen. So wird die Durchblutung zu den Haarfollikeln reduziert und der Haarausfall kann gemindert und sogar ganz verhindert werden.

Obwohl der Erfolg der Kopfhautkühlung von vielen Faktoren abhängt, haben Forschungen und Studien gezeigt, dass die Kopfhautkühlung bei vielen Zytostatika wirksam sein kann.

 

Die Sicherheit der Kopfhautkühlung

Die Kopfhautkühlung ist eine weltweit anerkannte Behandlung, mit der jährlich zehntausende Patienten behandelt werden. Die Geschichte der Kopfhautkühlung und der Kühlkappen reicht über 30 Jahre zurück, zwischen 1973-2003 wurden 56 Studien durchgeführt und bis heute noch zahlreiche weitere Studien, die umfangreiche klinische Nachweise geliefert haben.

Das Paxman Kopfhautkühlsystem wurde 1997 vorgestellt und war verantwortlich für eine Steigerung der durchschnittlichen Erfolgsquote von 56% auf 73%. Heute sind mehr als 3.000 Kühlkappensysteme in 35 Ländern weltweit im Einsatz und Paxman verbessert weiterhin die Technologie des Systems und damit auch die Ergebnisse.

Da die Kopfhautkühlung seit den Siebzigern angewendet wird, sind uns auch die damit verbundenen Nebenwirkungen bekannt.

Zu den kurz- bis mittelfristigen Nebenwirkungen gehören:

  • Unwohlsein aufgrund der Kälte (während der Kopfhautkühlung)
  • Kopfschmerzen (während und nach der Kopfhautkühlung)
  • Stirnschmerzen (während der Kopfhautkühlung) durch Druck und Enge der Kühlkappe
  • Schwindel oder Benommenheit (während der Kopfhautkühlung)

Die oben genannten Nebenwirkungen sind nur temporär, treten selten und meist nur während der Kopfhautkühlung auf.

Patienten, die wissen oder vermuten, dass sie von einem der beiden folgenden Krankheiten betroffen sind, sollten die Kopfhautkühlung und die Kühlkappe nicht benutzen:

  • Kälteurtikaria – eine allergische Reaktion auf kalte Temperaturen, die Quaddeln auf der Haut verursacht. Es besteht die Gefahr, dass die Kopfhautkühlung eine schwere anaphylaktische Reaktion hervorrufen könnte, die lebensbedrohlich sein kann.
  • Kälteagglutininkrankheit – Personen mit dieser Krankheit haben eine hohe Konzentration von Antikörpern, die sich an die roten Blutzellen heften können. Es besteht die Gefahr, dass die Kopfhautkühlung durch die niedrige Temperatur das Anheften der Antikörper an die roten Blutzellen begünstigt, was dann zu einer hämolytischen Anämie führt.

Die Ergebnisse der Langzeitnebenwirkungensuntersuchungen deuten darauf hin, dass das Risiko Kopfhautmetastasen zu bekommen bei Frauen sehr klein ist <2,5%.
Es ist äußerst selten, dass Kopfhautmetastasen die erste und einzige Stelle eines Rückfalls sind (0,025%).
Auch gibt es keinen Unterschied im Überleben von Brustkrebspatientinnen mit Kopfhautkühlung während der Chemotherapie und Brustkrebspatientinnen ohne Kopfhautkühlung.
Wenn ein Patient Kopfhautmetastasen hat, ist in der Regel schon an anderer Stelle eine Metastasierung vorhanden.
Die bisherigen Studien zeigten keinen Anstieg von Kopfhautmetastasen bei Brustkrebspatientinnen, die die Kopfhautkühlbehandlung zur Vermeidung der von der Chemotherapie induzierten Alopezie machten.
Die Daten zeigen, dass die Kopfhautkühlung nur ein geringes Risiko für einen Anstieg von Kopfhautmetastasen ist und dass der klinische Nutzen für den Patienten dieses Risiko überwiegt.